Abhängig von der Zahn- und Kieferfehlstellung gibt es unterschiedliche Behandlungsabläufe. Bei Kieferfehlstellungen im Wachstumsalter beginnen wir häufig mit einer herausnehmbaren Zahnspange, um das natürliche Wachstum gezielt zu nutzen und die Lage von Ober- und Unterkiefer positiv zu beeinflussen.
Ein typisches Beispiel ist ein zurückliegender Unterkiefer. Während des Zahnwechsels kann dieser mit einer herausnehmbaren Zahnspange sanft nach vorne geführt werden; anschließend hilft eine feste Zahnspange dabei, die Zähne präzise auszurichten und die Verzahnung optimal einzustellen.
Nach Abschluss der aktiven Behandlung beginnt die Retentionsphase. Spezielle Retentionsgeräte stabilisieren das Ergebnis und sorgen dafür, dass die Zähne dauerhaft in ihrer neuen Position bleiben.
Eine kieferorthopädische Frühbehandlung kann sinnvoll sein, wenn schon im Milchgebiss oder zu Beginn des Zahnwechsels – oft rund um das Einschulungsalter – deutliche Zahn- oder Kieferfehlstellungen erkennbar sind.
In manchen Fällen ist eine Behandlung bereits ab dem 4. Lebensjahr empfehlenswert. Durch ein frühzeitiges Eingreifen lassen sich Wachstum und Entwicklung gezielt lenken. Dadurch können spätere Behandlungen deutlich kürzer ausfallen oder in einigen Fällen sogar ganz vermieden werden.
Oft ist der Oberkiefer im Verhältnis zum Unterkiefer zu schmal und weicht dadurch zur Seite aus. Die oberen Seitenzähne stehen auf einer Seite weiter innen als die unteren – unbehandelt kann dies zu einer asymmetrischen Kieferentwicklung führen.
Hierbei stehen die unteren Schneidezähne vor den oberen Schneidezähnen. Beim Zubeißen greifen sie falsch ineinander, was langfristig die Zahnstellung und die natürliche Entwicklung des Gebisses beeinträchtigen kann.
Beim Zubeißen haben die Schneidezähne keinen Kontakt zueinander. Häufig bleibt der Mund dabei geöffnet, und das Kind atmet überwiegend durch den Mund statt durch die Nase – dadurch können die Lippen trocken und rissig wirken.
Milchzähne dienen als wichtige Platzhalter für die bleibenden Zähne. Gehen sie zu früh verloren, können benachbarte Zähne in die Lücke wandern – dadurch geht wertvoller Platz für die nachrückenden Zähne verloren und es entstehen Engstände.
Der Unterkiefer liegt im Verhältnis zum Oberkiefer zurück und die oberen Schneidezähne stehen meist deutlich vor. Häufig ist der Lippenschluss dadurch erschwert, und es kann vorkommen, dass auf die Unterlippe gebissen wird.
Bei Kleinkindern erfüllt das Daumenlutschen zunächst einen natürlichen Saug- und Beruhigungsreflex. Hält diese Gewohnheit jedoch über das dritte Lebensjahr hinaus an, kann sie die Entwicklung von Zähnen und Kiefer nachhaltig beeinflussen.
Eine Frühbehandlung ist vor allem dann angezeigt, wenn ungünstige Gewohnheiten wie Daumenlutschen, eine fehlerhafte Zungenlage oder Mundatmung bestehen. Auch Fehlstellungen wie Kreuzbiss, Vorbiss (progene Bisslage) oder offener Biss sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden, um einer ungünstigen Kieferentwicklung entgegenzuwirken.
Ziel der frühen Therapie ist es, Fehlentwicklungen rechtzeitig zu korrigieren oder zumindest positiv zu beeinflussen und damit den Aufwand sowie die Dauer einer späteren kieferorthopädischen Hauptbehandlung deutlich zu verringern.
Herausnehmbare Zahnspangen kommen je nach Zahn- und Kieferfehlstellung in unterschiedlichen Ausführungen zum Einsatz. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen funktionskieferorthopädischen Geräten und aktiven Platten.
Welche Zahnspange am besten passt, hängt ganz von der individuellen Zahn- und Kieferstellung Ihres Kindes ab.
Funktionskieferorthopädische Geräte setzen vor allem an der Muskulatur von Wangen, Lippen und Zunge an. Ziel ist es, Zahn- und Kieferfehlstellungen auf natürliche Weise zu beeinflussen und die Kieferentwicklung positiv zu steuern.
Der Grundgedanke lautet: „Weichgewebe formt Hartgewebe“. Durch veränderte Muskel- und Funktionsabläufe kann das Wachstum von Ober- und Unterkiefer gezielt unterstützt werden.
Typische Geräte sind Aktivatoren oder Funktionsregler, zum Beispiel der Bionator oder der offene-Biss-Aktivator. Sie liegen locker im Mund, führen den Kiefer in eine therapeutische Position und können unter anderem eine Vorverlagerung des Unterkiefers unterstützen.
Aktive Platten dienen vor allem dazu, einzelne Zähne gezielt zu bewegen. Bei konsequenter Tragezeit von etwa 14 Stunden täglich lassen sich damit insbesondere leichtere Zahnfehlstellungen häufig gut korrigieren.
Sie können sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer eingesetzt werden. Die Platten bestehen aus einem individuell angepassten Kunststoffkörper mit integrierten Elementen wie Federn oder Schrauben, die die Zahnbewegung steuern.
Da mit herausnehmbaren Zahnspangen vor allem kippende Zahnbewegungen möglich sind, stößt diese Therapieform bei Drehständen oder größeren Lücken an ihre Grenzen. In solchen Fällen ist eine feste Zahnspange meist die effektivere Lösung.
Eine festsitzende Zahnspange ermöglicht es, Zähne kontrolliert in allen drei Dimensionen zu bewegen. Das ist besonders wichtig, um größere Lücken zu schließen oder Zähne gezielt in der Höhe zu korrigieren – etwa bei einem tiefen oder offenen Biss.
Diese präzisen Bewegungen sind mit einer herausnehmbaren Zahnspange nur eingeschränkt möglich, da sie die Zähne in der Regel vor allem kippend beeinflusst.
Für ein dauerhaft stabiles Ergebnis ist es daher wichtig, dass Zähne und Kiefer optimal aufeinander abgestimmt sind und die Zähne möglichst perfekt ineinandergreifen.
Viele Kinder und Jugendliche finden es toll, dass sie die kleinen Gummis an den Brackets in verschiedenen Farben wählen können. Da diese regelmäßig gewechselt werden, lässt sich immer wieder eine neue Lieblingsfarbe aussuchen.
Wenn sich Patientinnen und Patienten eine besonders unauffällige Behandlung wünschen, sind Keramikbrackets eine gute Möglichkeit, die feste Zahnspange optisch dezent zu gestalten und im Alltag weniger sichtbar zu machen.
Bei guter Mundhygiene schadet eine feste Zahnspange den Zähnen nicht.
Wichtig ist, dass die Zähne während der Behandlung besonders gründlich geputzt werden. Werden Beläge nicht ausreichend entfernt, kann es in einzelnen Fällen zu Entkalkungen des Zahnschmelzes kommen. Diese zeigen sich als weißliche Flecken und können das Risiko für spätere Karies erhöhen.
Zum zusätzlichen Schutz bieten wir eine Versiegelung der Zahnoberflächen rund um die Brackets an. Diese gibt Fluorid ab und stärkt den Zahnschmelz in den besonders empfindlichen Bereichen.